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INNOCENCE - Erste Liebe, zweite Chance

Ein Film von Paul Cox

Deutscher Kinostart: 17. Januar 2002

Von Lambert-Sebastian Gerstmeier

Wir erleben eine romantische Liebesgeschichte: Andreas ist Organist und Musiklehrer und liebt die verheiratete Claire. Und Claire liebt Andreas. - Thema "Seitensprung" werden Sie jetzt denken. Weit gefehlt. Der Film beschäftigt sich mit einem Thema, das eigentlich in unserer Gesellschaft tabu ist: Liebe und Sexualität im Alter.
 

Andreas und Claire erlebten zusammen ihre erste Liebe und verloren sich aus den Augen, bis ... ja, bis sie sich nach fünfzig Jahren wieder treffen. Andreas ist inzwischen pensioniert und verwitwet. Claire ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Andreas und Claire sind nun siebzig.

 
Der Film beginnt mit Rückblicken, als beide noch jung waren und ihre erste Liebe genossen. Dann sehen wir beide im Jetzt: Andreas versucht Claire zu erreichen, von der er erfahren hat, daß sie in der selben Stadt wohnt wie er. Sie treffen sich und entdecken ihre alte Liebe wieder. Und damit beginnt "das Drama". Claire erlebt mit Andreas eine neue Welt, neues Glück und neues Gefühl. Sie dachte gar nicht, daß sie noch so empfinden und lieben könne. Die Ehe mit ihrem Mann John bietet nichts Aufregendes, der tägliche Trott ist zur Gewöhnung geworden und läßt nichts Neues mehr zu.

Claire ergreift mit Andreas die Chance und lebt ein völlig neues Leben. Ihr Mann John versteht das nicht, ihre Ehe ist doch in Ordnung und daß sie seit zwanzig Jahren keinen Sex mehr hatten, ist normal, angesichts ihres Alters. Selbstverständlich liebt er seine Frau. Auch der Sohn hat kein Verständnis für seine Mutter und hält sie für verrückt. Aber Claire läßt nicht locker. John merkt, daß seine Frau ihm entgleitet, wird eifersüchtig und kämpft um sie.

Paul Cox erzählt diese Liebesgeschichte sehr langsam und einfühlsam. Immer wieder tauchen Motive aus der Jugend auf, Rückblenden, Erinnerungen. Wir sehen mehrmals Andreas und Claire als Jugendliche in Umarmung am Bahnhof stehen, Züge eilen vorbei. Andreas Orgelspiel begleitet den Film als roter Faden bis zum Schluß. Die Orgel spielt für beide eine wichtige Rolle und wird Claire gewissermaßen "zum Verhängnis".

Der Film ist insgesamt sehr ruhig gehalten, die Schnitte konzentriert und gut gesetzt. Aber gerade diese Ruhe des Films macht einen anfangs unruhig. Ganz langsam nur wird die Handlung entwickelt und die Geschichte aufgerollt. Dies ginge auch schneller und konzentrierter und würde dem Film nicht schaden.

"INNOCENCE" ist allein schon wegen des Themas sehenswert. Warum sollen "die Alten" nicht noch zur Liebe fähig sein, genauso wie die Jungen – oder vielleicht sogar noch besser? Ältere Menschen sind sehr aktiv und unternehmen viel. Und wie viele fangen auch noch etwas Neues an, wie zum Beispiel den Umgang mit dem Computer!

INNOCENCE ist der achtzehnte Spielfilm von Paul Cox. Fünf Wochen dauerten die Dreharbeiten im süd-australischen Adelaide und im belgischen Antwerpen.
 

"INNOCENCE beinhaltet das, was sich in jedem meiner Filme wiederfindet – moderne und traditionelle Liebe. Aber in INNOCENCE greifen sie ineinander, stärker denn je, denn es geht um Liebe im hohen Alter. Vor allem geht es aber darum, die Chance zu bekommen, seine erste Liebe wiederzuentdecken. Man liebt nie wieder in seinem Leben so wie beim ersten Mal. Dies ist auch der Grund, warum der Film INNOCENCE heißt." (Paul Cox)

 
Letzte Meldung: "Innocence - Erste Liebe - Zweite Chance" erhofft sich vierfache Oskar-Nominierung! Wir gratulieren.

Auswahl der Auszeichnungen und Preise für "INNOCENCE"
  • Independent Film Awards, Australia
    Best Feature Film, Independent Filmmaker of the Year, Best Actress, Best Editing, Best Sound Design
  • 2000 Montreal World Film Festival, Canada
    People’s Choice Award, Grand Prix of the Americas Award
  • Taormina Film Festival 2000, Italy
    Fipresci Critic’s Award
  • 25th Toronto International Film Festival, Canada
    Special Citation, People’s Choice Award
  • Rencontres Internationales du Cinéma des Antipodes de St. Tropez 2000, France
    Grand Jury Prize
  • 13eme Rencontres Cinematographiques de Cannes, France
    Audience Award
INNOCENCE - Erste Liebe, zweite Chance
  • Ein Film von Paul Cox
  • Australien 2000
  • 94 Minuten
  • 35 mm
  • Farbe
  • deutsche Fassung und OmU
  • Dolby SR
  • Deutscher Kinostart: 17. Januar 2002
Besetzung

Amy: Rosanna Arquette
Juliette: Elodie Bouchez
Lyle: Jean-Marc Barr
Bert: Ian Brennan
Vernon: Ian Vogt
Connie: Stephnie Weir
Frank: Roch Komenich
Wally, der Sheriff: Hutton Cobb

Regie: Jean-Marc Barr und Pascal Arnold
Kamera: Pascal Arnold
Musik: Irina Decermic, Misko Plavi

Bilder zum Film

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