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Wunder 2.0

Von G. Annette Gerstmeier
Update: 3. Februar 2015

Zum zweiten Mal präsentierte Dr. Eckart von Hirschhausen „Wunderheiler“ in Bonn. In der fast ausverkauften Beethovenhalle präsentierte er gut gelaunt ein kleines Meisterwerk der Unterhaltung. Seit der Premiere vor 16 Monaten hat er das Programm komplett überarbeitet und umgestellt. Das hat ihm sichtlich gut getan. Keine Längen mehr, sondern eine gelungene Symbiose von Kabarett und Wissensvermittlung. Ein zauberhafter Abend, von dem man sich mehrere wünscht.

Wunder gibt es immer wieder

"Wunderheiler" das neue Programm von Dr. Eckart von Hirschhausen
Von G. Annette Gerstmeier

Mitten im Winter empfängt uns Vogelgezwitscher, eine Waldlichtung ist zu sehen. Plötzlich ziehen Rauchschwaden empor, Zarathustra spricht also und da steht er wie Kai aus der Kiste. Dr. Eckart von Hirschhausen beginnt sein neues Programm „Wunderheiler“ mit einem Zaubertrick, den er aber gleich durch Erklärung wieder entzaubert. Denn das hat er sich vorgenommen: Vermeintliche Wunder zu entlarven. Und macht gleich klar auf welcher Seite er steht: Auf der der Guten.

Eckart von Hirschhausen öffnet für sein Publikum eine Wundertüte aus Magie, Wissensvermittlung, Comedy und Gesang. Kennt man seine Programme, so begegnen einem hier altbekannte Elemente, wie das Publikum per Summen abstimmen zu lassen, wie auch wirklich wahre Geschichten, von denen man meint, manche schon etwas abgewandelt gehört zu haben. Das Publikum muss mitarbeiten. Ob auf der Bühne, als Begleitchor oder bei Partyspielen, um zu zeigen, wie sich Krankheitserreger verbreiten, alle arbeiten gerne mit. Dazu gibt es Tanzeinlagen und auch das Gymnastikband kommt wieder zum Einsatz. Wirklich beeindruckend sind die neuen Elemente. Ohne Narkose entfernt er einem Freiwilligen aus dem Publikum den Blinddarm. Auf eindrucksvolle Weise ermittelt er den Geburtstag einer Zuschauerin anhand ihrer Gewohnheit Pizza zu essen. Die Stärke Hirschhausens liegt in der Interaktion mit seinem Publikum und darin, sich selbst auf den Arm zu nehmen.

Der Satz „Ich hoffe, Sie müssen morgen nicht arbeiten.“ macht die erste Schwäche Hirschhausens deutlich: das Zeitmanagement. Er nimmt seinen Bildungsauftrag ernst, womit er zwar recht hat. Aber so verpasst er den Punkt aufzuhören haarscharf und verliert etwas den roten Faden. Eine Straffung täte dem Programm gut. Dann werden auch einzelne logische Brüche wegfallen. Die zweite Schwäche offenbart sich in der Aufforderung, aus dem Programm zu nehmen, was wir brauchen. Es sei genug für alle da. Doch es allen recht machen zu wollen, klappt nicht. Der Doktor kann frech, aber leider gerät frech hier manchmal plump und bewegt sich hart an der Grenze zum Niveau eines Mario Barth. Das kann er auch subtiler.

Christoph Reuter begleitet auch „Wunderheiler“ musikalisch. Leider kommt er dieses Mal etwas schlecht weg. Sein Part ist sicher noch ausbaufähig.

Nach drei Stunden verlassen wir das Theater mit der Erkenntnis, dass Homöopathie bei Menschen wirkt, aber nicht bei Gurken. Wir wissen nicht, wie genau philipinische Wunderheiler arbeiten oder andere sogenannte Wunder funktionieren. Aber das war auch eigentlich nicht das Ziel des Abends. Gelernt haben wir, mehr das Kind in uns zu pflegen und das Lachen, Tanzen und Singen nicht zu vergessen. Und freuen uns darauf eine gereiftere Version des Programms zu sehen.

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